Datum

10. Dezember 2022

Uhrzeit

20:00

Josefine Patzelt „Letters to a Grandfather“

Sa., 10.12.2022, 20:00 Uhr
So.  11.12.2022  18:00 Uhr

 

(WA) Josefine Patzelt „Letters to a Grandfather“

Ein Tanz-Theater-Stück über die Auseinandersetzung mit Kriegstätern und Opas in Bügelfaltenhosen

Wir wurden von unseren Eltern geschickt, die Mörder zu lieben, die sie nicht mehr lieben konnten. Wir wurden von unseren Lehrer_innen geschickt, nach den Morden zu fragen, von denen ihnen niemand erzählte. Wir werden von der Politik geschickt, zu erinnern, was wir nie erlebten. Wir sollen all das aufsaugen, was sie kollektive Erinnerung nennen. Aber das ist keine kollektive Erinnerung, das ist ein Mann in einer Bügelfaltenhose, das ist Opa.

Ein stetig wachsendes Aufkommen von nationalistischem Gedankengut während der letzten Jahre, in denen Zeitzeug_innen des 2.Weltkriegs noch leben – das Stück „Letters to a Grandfather“ spricht aus dieser spezifischen historischen Konstellation, die für unsere Zeit so prägend ist und die gleichsam langsam verschwindet.

Es fragt nach den Beziehungen zu Menschen, die sowohl Großväter als auch Soldat waren und behandelt diese in Bezug auf gesellschaftliche Ideale, familiäre Strukturen und einer gefühlten historischen Verantwortung als Enkelin eines Kriegstäters. Es nähert sich dieser Thematik sowohl durch persönliche Recherche als auch durch eine Vielzahl von Interviews mit Menschen verschiedener Generationen. Können wir Verhaltensmuster offenlegen, die einer anderen Vergangenheit als unserer eigenen geschuldet sind?

„Letters to a Grandfather“ ist ein Brief einer Generation an eine Vergangenheit, die wie ein Nebel den Horizont verschleiert. Eine Erinnerungspalette über das Erbe der Schuld und das Schweigen eines Opas.

Tanz und Choreografie: Josefine Patzelt

Musik*: Eric Eggert

Dramaturgische Begleitung: Lenah Flaig

Licht: Garlef Keßler, Thomas Mörl

Bühnenbild: Luka Patzelt

Mit Dank an: Kulturbunker Mülheim

*mit Musik von Martin Kohlstedt (GOL & NIO)

Gefördert und unterstützt durch: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Quartier am Hafen

Dieses Abspiel wird gefördert und ermöglicht durch: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste

Josefine Patzelt studierte Modern Dance und Tanztheater an der Fontys Dance Academy in den Niederlanden. Sie arbeitete mit Sara Wiktorowicz, Liz King und tanzte für die Tanzmoto Dance Company in Essen. 2012 wurde sie Solistin am Polish Dance Theater in Posen, wo sie u.a. in Stücken von Ohad Naharin und Jo Strømgren zu sehen war. 2015 wurde sie Mitgründerin des Tanztheater-Kollektivs flies&tales in Köln, dessen Stücke auf mehreren Festivals in Deutschland spielten. Sie war Gasttänzerin der Oper Dortmund, Oper Bonn in Zusammenarbeit mit Bärbel Stenzenberger und bodytalk in Münster. Neben eigenen Produktionen arbeitete sie seit 2020 außerdem in einem Projekt mit Bridgeworks e.V., der Tanz Kompanie Stereo48 (PA), Emanuele Soavi INcompany, Bibiana Jiménez, Sara Escribano Maenza und Tanzwerke Vanek Preuß. „Letters to a Grandfather“ ist ihr erstes Stück einer Reihe, die sich mit Tanz, Geschichte und dem Körper als Archiv befasst.

PRESSE:
„Diese Tanztheater-Performance “Letters to a Grandfather” ist außergewöhnlich, ist tänzerisch großartig, ist theatral perfekt und vor allem inhaltlich überzeugend. Das Stück ist ein Solo, das von der tänzerischen und theatralen Präsenz von Josefine Patzelt lebt.“ https://www.tanzweb.org/koeln-bonn/nachtkritiken-koeln- bonn/letters-to-a-grandfather-tanztheater-performance-von-und-mit- josefine-patzelt
„Es sind ihre enorme Bewegungsqualität, die choreografische Originalität und Vielseitigkeit in Verbindung mit der inhaltlichen Substanz, die diese jüngste Arbeit – uraufgeführt per Livestream während des Lockdowns vor einem Jahr – zu einem Ereignis machen.“ https://www.tanzweb.org/highlights-nrw/josefine-patzelt-tanzt- letters-to-a-grandfather
„Kann so ein bis heute brisantes Thema Stoff für ein Tanzstück sein? Die junge Kölner Choreografin Josefine Patzelt beweist dies jetzt eindrucksvoll.“ https://www.wz.de/nrw/krefeld/kultur/politische-dimension-des- tanzes_aid-71237297

· „„Letters to a Grandfather“ ist im Hinblick auf Thema und Gestaltung kein bequemes, sondern ein kunstvolles, irritierendes Stück, das gerade jetzt in die Zeit passt. Weil es vorführt, was der Krieg mit Menschen macht – auch wenn er schon längst vorüber ist.“ (Jürgen Bieler, 27.06.2022, General Anzeiger Bonn)

Vorgespräch zur Performance in First and Further Steps zwischen der Künstlerin Josefine Patzelt und Sandra Franz, der Leiterin der NS- Dokumentationsstelle Krefeld:
https://youtu.be/w2VDwPaTF04

Bild © Kurt Heuvens