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Neues Mitglied: Theresa Hupp

Theresa Hupp ist seit 2020 ein weiteres neues Mitglied bei Barnes Crossing: Sie arbeitet als freischaffende darstellende Künstlerin vornehmlich an den Schnittstellen von Performance, Tanz- und Musiktheater. Sie ist Initiatorin und künstlerische Leitung der kollektiven Kunstkompanien SONDER:SAMMLUNG:en. In diesem Kontext ist sie ein Wechselbalg, der sowohl als Performerin, Choreographin, Regisseurin und Autorin oder einer Kombination derselben in Erscheinung tritt. Hier stellen wir unsere neues Mitglied vor:

Theresa, was inspiriert Dich und wie bindest Du das in Deine künstlerische Arbeit ein?

Künstlerisch inspiriert bin ich grundlegend durch die Performativität des ‚Anderen‘. Der Frage, wie ich mich zeige und wie sich andere mir zeigen je nach Situation der Begegnung. Wie mein Zustand, wie mein Gegenüber mein Verhalten, meine ‚Performance‘ beeinflusst. Die Unterschiede zum Anderen. Die Methoden darin aufzuspüren, diese Beobachtungen in Form zu gießen und zur Disposition zu stellen. Das ist meine Form der Empathie.

Was sind Deine künstlerischen Strategien? 

Ein grundlegendes Prinzip in meinen Arbeiten ist das Etablieren einer flachen Hierarchie und das Öffnen der Disziplinen. Jedes neue Stück ist eine Entwicklung aller involvierten Köpfe und Körper. Das Schöne gerade am spartenübergreifenden Arbeiten ist ja, dass mit den Menschen unterschiedliche Fähigkeiten, Prägungen und Perspektiven zusammenkommen. Diese auf die bestmögliche Art zu nutzen, bedeutet, das Zepter immer wieder herumzureichen und sehr gut hinzuhören, um die Synergien zu finden. Offenheit dafür zu bewahren, welches Mittel der Kunst den Ausdruck tatsächlich befördert. Und dabei „alles“ zuzulassen.

Außerdem: das Prinzip des Diebstahls (nicht zu verwechseln mit dem der Kopie). Ich stehle bei Jim Jarmusch: „Steal from anywhere that resonates with inspiration or fuels your imagination. … Authenticity is invaluable; originality is non-existent.“ – und bei Godard: “It’s not where you take things from - it’s where you take them to.“ 

Eine weitere Strategie ist das Prinzip des Dilletantismus und des „Say the stupid thought and do the stupid thing“. Keine falsche Zurückhaltung an den Tag zu legen, um sich nicht bloßzustellen. 

Und das führt direkt zur nächsten Strategie: Humor – vor allem mit sich selbst. Sich darin ernst zu nehmen, dass man ein totaler Idiot ist. Und ok damit zu sein.

Was brauchst Du zum Arbeiten? 

Gemeinsames Vertrauen in diese Prinzipien, einen Ort, der einen einfach machen lässt, ein bisschen Zeit ohne Druck, großes Denken, kritisches Hinterfragen (in Dosen) und so wenig Egoshooting wie möglich.

Was war eins der schönsten Stücke das Du je gesehen hast und warum?

FC Bergmans „300ELx50ELx30EL“. Wegen seines tragischen Humors, dem wunderbaren Einsatz der Mittel und einer unglaublich eleganten Simplizität der Struktur war das eine der großzügigsten Performances, die ich je gesehen habe. Ein Glücksmoment darin: die großartig einfache Choreographie, ausgeführt von 20 völlig unterschiedlichen Menschen und Körpern, zu einem der schönsten Musikstücke der Welt: Nina Simones „Sinnerman“. 10:21 traumhafte Minuten.

Was bedeutet Barnes Crossing für Dich?

Barnes Crossing bedeutet für mich, in Ruhe, Gelassenheit und mit hoher Aufmerksamkeit in einem Kreationsprozess sein zu können. Als Ort für Entwicklung und Ausarbeitung neuer Stoffe kenne ich in Köln keinen besseren Fleck. Wegen seiner Atmosphäre, dem entgegengebrachten Verständnis für künstlerische Prozesse und aus ganz praktischen Gründen wie viel Platz und guter, professioneller Ausstattung der Räume. Deshalb freut es mich sehr, jetzt Mitglied im Team zu sein, diese Struktur hoffentlich mittragen zu können und mehr in Austausch mit den anderen dort arbeitenden Gruppen zu gehen.

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